Silke Heck

Am 3. Oktober 2015 wurde mitten im Hunsrück die längste Hängeseilbrücke Deutschlands eröffnet. Nach dem Vorbild Nepalesischer Hängeseilbrücken schwingt sich die Geierlay von einem Brückenkopf zum anderen quer über das Mörsdorfer Bachtal. Auf der 360 Meter langen und 100 Meter hohen Brücke können Klein und Groß ihre Schwindelfreiheit testen und ein echtes Natur-Abenteuer erleben. Von Oktober bis Dezember 2015 sollen bereits 100.000 Besucher die Brücke überquert haben. Das konnte ich mir – als gebürtige Rheinland-Pfälzerin – also nicht entgehen lassen und stattete dem hängenden Bauwerk einen Besuch ab.

Erste Anlaufstelle ist das Besucherzentrum in Mörsdorf mit angrenzendem Parkplatz. Es ist gut ausgeschildert und veranschlagt mit Parkgebühren in Höhe von 2 Euro/Tag faire Preise. Mit dem Geld werden die laufenden Kosten bestritten, wie beispielsweise regelmäßige sicherheitstechnische Überprüfungen, der Unterhalt der Toiletten im Besucherzentrum oder die Instandhaltung der Zuwege. Die Brücke selbst ist – außer bei Sturm – jederzeit und kostenlos zugänglich. Vom Parkplatz am Besucherzentrum führt ein sehr gut beschilderter Weg in etwa 15 bis 20 Minuten (1,2 km) zur Brücke. Am Wegesrand finden sich Infotafeln zur Brücke sowie zur Windkraft im Hunsrück. Diese ist hier sehr präsent: Mehr als 20 Windräder lassen sich in naher und weiter Ferne zählen.

Am Brückenkopf angekommen gibt es erstmals freie Sicht auf die Brückenkonstruktion. Hier beginnt das Abenteuer! „Ganz schön lang und ganz schön hoch“ waren die ersten Gedanken – aber Kneifen ist nicht! Zu Beginn führt die Brücke noch über einige Bäume, sodass man erst einmal in überschaubarer Höhe „Brückenluft“ schnuppern kann. Etwas weiter nehmen die Tiefenblicke zu und – abhängig von Windstärke und Personenzahl auf der Brücke – wird es streckenweise ganz schön wackelig. Am eindrucksvollsten wird es mitten auf der Brücke, hoch über dem Tal und mit einem beeindruckenden Blick in die Tiefe. Die Brücke ist von einem hohen Geländer gesäumt und bietet so bei mulmigem Gefühl Gelegenheit zum Festhalten. Es fällt trotzdem auf, dass nicht alle Besucher den Blick ins Mörsdorfer Bachtal entspannt genießen können. Das Ganze scheint für einige doch mehr Adrenalinkick als Naturerlebnis zu sein!

Nebeneinander können zwei Personen auf der Brücke laufen. Auch Fahrräder sind erlaubt, müssen aber geschoben werden. Laut Website passen ebenfalls schmale Kinderwagen und Rollstühle über die Brücke, wobei mir dafür die letzten Meter vor Erreichen des Brückenkopfes auf Mörsdorfer Seite doch recht unwegsam vorkommen. Hunde dürfen auch mit, sofern sie die Höhe gut ertragen können. Wer die 360 Meter gemeistert hat, kann am anderen Ende, am Sosbacher Brückenkopf, stolz den Blick in die andere Richtung genießen.

Der Rückweg kann in zwei Varianten beschritten werden. Entweder über die Brücke und auf der „kleinen“ Geierlayschleife über einen Wiesenweg und durch ein Waldstück zurück zum Besucherzentrum (insgesamt ca. 3 km) oder über die „große“ Geierlayschleife. Auch diese ist leicht zu schaffen und bietet eine tolle Kulisse: Sie führt auf einem insgesamt etwa 6 km langen Rundweg zurück nach Mörsdorf. Nach Querung der Brücke gilt es, der Beschilderung Geierlayschleife zu folgen und über einen Waldweg bergab zu gehen. Der Blick auf die Brückenkonstruktion mit den seitlichen Windabspannseilen ist sehr imposant und lässt den Aufwand beim Brückenbau nur erahnen. Wem das nicht reicht, der kann die Geierlay auch in Wanderungen verschiedener Längen einbinden: Direkt unter der Brücke verläuft der Saar-Hunsrück-Steig (Etappe 19), wobei die luftigen Höhen der Geierlay über einen gut ausgeschilderten Zuweg erreichbar sind. Mörsdorf ist zudem Ausgangspunkt für Wanderungen auf einigen Traumschleifen.

Wir sind auf der großen, gut ausgeschilderten Geierlayschleife zurück nach Mörsdorf gelaufen. Neben dem Restaurant im Besucherzentrum finden sich dort zwei weitere Gasthäuser sowie ein Bäcker. Leider war trotz Osterferien in Rheinland-Pfalz, trockenem Wetter und regem Betrieb auf der Brücke eines der Gasthäuser sowie der Bäcker am frühen Nachmittag bereits geschlossen. Online berichten in diversen Bewertungsportalen User über Verpflegungsstände von Einheimischen, an denen es Kaffee, Bratwurst und Crepes zu kaufen gibt, allerdings schienen diese während unseres Besuchs selbst Ferien zu machen. Einen Imbiss gönnten wir uns also im Restaurant des Besucherzentrums, das dementsprechend gut besucht war. Wünschenswert wären im Besucherzentrum allerdings noch mehr tiefergehende Informationen als Einstieg auf den Brückenbesuch.

Weitere Informationen zur Brücke gibt es hier.

Juliane Koch

Herbst, Sonnenschein, Laubfärbung, Wochenende – wenn all das zusammenkommt, heißt es: Ab in die Natur! Im Land Brandenburg gibt es mit dem Baumkronenpfad in Beelitz-Heilstätten seit September 2015 eine neue Attraktion, die Natur und Kultur verbindet.

Ausgehend von einem 40m hohen mehrstöckigen – auch mit Aufzug erreichbaren – Aussichtsturm kann man auf einem ca. 320m langen Holzpfad über die Baumwipfel des Beelitzer Stadtwaldes wandern. Das Besondere im Vergleich zu anderen Baumkronenpfaden ist jedoch die einmalige Lage inmitten des Areals der ehemaligen Lungenheilstätten, einem einmaligen Zeugnis fortschrittlicher deutscher Gesundheitsarchitektur.

Viele der Anfang des 20. Jahrhundert gebauten villengleichen Sanatorien und Betriebsgebäude sind heute von der Natur zurück eroberte Ruinen. Der Baumkronenpfad führt direkt über das mit Bäumen und Sträuchern bewachsene eingestürzte Dach der damaligen Heilanstalt für Frauen und gewährt Einblicke in die damalige Architektur.

Der Aufstieg lohnt sich allein schon für den weiten Blick vom Aussichtsturm über das jetzt bunte Meer der Herbstbäume. Durch die Baumgipfel des artenreichen Bewuchses sind immer wieder weitere ehemalige Gebäude der Heilstätten, wie die Krankenhäuser, Chirurgie, Küchen- und Waschhaus, autarke technische Einrichtungen und sogar eine eigene Kirche zu erahnen.

Zwar sind bislang keine Ausstellungen, Informationstafeln oder Erlebnisstationen zur Ökologie oder Geschichte vorhanden, jedoch stehen freundliche, auskunftsfreudige und sachkundige Ansprechpartner entlang des Pfades für Fragen bereit. Bei ihnen erfährt man auch, dass eine Erweiterung der barrierefreien Konstruktion auf 1km bis hin zum ehemaligen Chirurgie-Gebäude geplant ist.

Künftig  wird es auch mehrere Auf- und Abstiegsmöglichkeiten am Baumwipfelpfad geben. Derzeit ist er nur von einem Punkt aus begehbar, weshalb man sich den 2,50m breiten Weg noch mit entgegenkommenden Besuchern teilen muss. Großzügige Sitzmöglichkeiten auf dem Pfad laden zum Verweilen und Genießen der Ausblicke an mehreren Blickachsen ein. Das konstruktionsbedingt seichte Schwanken des Baumwipfelpfades macht seinen besonderen Charme aus. „Seekranke“ unter dem stark gemischten Publikum sind jedenfalls nicht aufgefallen.

Zu Spitzenzeiten, zu denen ein sonniger Herbsttag definitiv gehört, wird es auf den großzügig angelegten Parkplätzen auch mal eng. Jedoch finden die freundlichen Einweiser stets eine Lösung. Besuchern aus dem Berliner Raum wird die ausgezeichnete Bahn-Direktanbindung empfohlen. Fußläufig ist der Eingang zum Pfad vom Bahnhof aus in 10 Minuten bequem erreichbar.  Die langen Schlangen an der Kasse und an der Biergarten-Gastronomie sind bei Traumwetter unvermeidbar. Es kommt aber nie Frust bei den Wartenden auf – dazu gibt es links und rechts des Weges zu viele Inspirationen, die von den Ruinen einer Zeit ausgehen. In der direkten Umgebung des Baumkronenpfades sind nun alle verfallenen Gebäude eingezäunt, was zwar dem Vandalismus in den mehr als 20 Jahren leerstehenden Bauten endlich Einhalt gebietet, aber Angst um den Charme des Verfallenen aufkommen lässt.

Wer mehr zur Geschichte der Beelitzer Heilstätten erfahren will, oder auch geführt Zugang zu den Ruinen erhalten möchte, kann vor Ort zusätzliche Touren buchen – diese werden vor allem an den Wochenenden angeboten. Informationstafeln vor den Gebäuden bieten den Besuchern mehrsprachige Einblicke in den damaligen Betrieb der Anstalt. Auf unregelmäßig stattfindende Führungen durch das Gehölz wird auf der Webseite und vor Ort hingewiesen.

Der Eintritt zu dem ohne staatliche Fördermittel  errichteten Beelitzer Baumwipfelpfad ist mit 9,50 € ähnlich hoch wie auf den Pfaden im Thüringer Hainich oder im Bayerischen Wald, auch wenn diese Pfade im Vergleich länger sind und Ausstellungszentren aufweisen.

Der Beelitzer Pfad unterscheidet sich allerdings grundlegend von bisher bekannten Erlebniswegen in luftiger Höhe. Hier sieht der Besucher nicht nur ein landschaftsarchitektonisches Kleinod – er wird auf seinem Weg über die Baumwipfel unmittelbar mit der Historie des deutschen Gesundheitswesens konfrontiert. Ein Besuch lohnt sich sicherlich zu allen Jahreszeiten!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Juliane Koch

Seit Anfang 2014 ist der Naturpark Westhavelland offiziell anerkannter Sternenpark. Die „International Dark Sky Association“ hat der Region eine besonders geringe Lichtverschmutzung und dadurch eine fantastische Sicht in den Nachthimmel bescheinigt. Höchste Zeit also für einen ersten Besuch!

Das kleine Örtchen Gülpe ist jährlicher Veranstaltungsort des Westhavelländer AstroTreffs und eignet sich somit bei klarem Himmel gut als Ziel von Sternenguckern. Obwohl nur 80 km vor den Toren Berlins gelegen, ist die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu abendlicher Stunde am Wochenende leider fast unmöglich.

Es bietet sich an, bereits in der Abenddämmerung in Gülpe anzukommen, wenn im Herbst auf dem Gülper See Zehntausende Gänse und Kraniche unter ohrenbetäubendem Lärm ihren sicheren Schlafplatz suchen. Ein Naturlehrpfad und Aussichtstürme bieten eine erste Gelegenheit, das mitgebrachte Fernglas oder Spektiv auszuprobieren.

Zusätzlich zur technischen Ausrüstung empfiehlt sich für den Blick in den anschließenden Nachthimmel die Mitnahme warmer Kleidung, fester Schuhe, einer gut gefüllten Thermoskanne und einer Taschenlampe. Es gibt vor allem im Frühjahr und Herbst so viel Sterne, Konstellationen und Galaxien zu entdecken, das man sicher etwas länger draußen bleiben möchte.

Für alle Astronomiefans gibt es von Mitte August bis Anfang Mai geführte Sternenwanderungen durch ausgebildete Natur- und Landschaftsführer. Einer von ihnen ist Martin Miethke, der zu wenigen festen Terminen, aber auch nach individueller Terminvereinbarung, Kleingruppen in der Dunkelheit auf den Deich des Gülper Sees führt. Er gibt interessante Informationen zur Milchstraße, einzelnen Sternen und Planeten, dem Mond, verschiedenen Satelliten und vielem mehr. Auch für Laien und Kinder sind die Erklärungen verständlich. Abzuraten von einer Sternenführung ist all jenen, die Angst vor Nackenstarre oder eine Abneigung gegen Kälte und langes Stehen haben – sie sollten sich besser in eine „sternenfreundliche“ Unterkunft mit Liegen auf der Terrasse, Rotlicht-Taschenlampen und spätem Frühstück einquartieren.

Informationen zum Sternenpark, Führungen und sternenfreundlichen Unterkünften finden Sie hier.

Dr. Alexander Schuler

„Die Sonnenseite genießen“ damit wirbt der Harzer BaudenSteig. Diesem Aufruf folgend können Wanderer auf gut ausgeschilderten Wegen von Baude zu Baude (den typischen Wandergaststätten der Region) den Westharz entdecken. Auf rund 100 km führt der Wanderweg von Bad Grund bis zum Kloster Walkenried auch ein gutes Stück durch den Nationalpark Harz. Die einzelnen Etappen bieten neben einem besonderen Naturerlebnis zahlreiche Einkehrmöglichkeiten in den urigen Bauden, die Wanderer mit Harzer Gastlichkeit und leckeren Spezialitäten von rustikal bis gehoben empfangen.

Wir hatten für unsere Tagestour die Etappe 4 von Bad Lauterberg nach Bad Sachsa ausgewählt, die wir in umgekehrter Richtung begingen. Bei bestem Herbstwetter führte uns der Weg von Bad Sachsa aus vorbei am Märchengrund und der Käthe-Schulken-Hütte bis zur Baude Berghof Ravensberg. (Auf diesem Abschnitt ist momentan eine Umleitung aufgrund von Sturmschäden ausgewiesen. ) Dort angekommen, erwarteten uns eine beeindruckende Aussicht auf die umliegenden Berggipfel sowie großzügige Portionen des hausgemachten Kuchens. Gut gestärkt folgten wir anschließend der Route durch ein idyllisches Wiesental bis zum Wisenbeker Teich und Dombrowsky´s Baude. Der einst für die Versorgung des Kupferbergwerks „Aufrichtigkeit“ angelegte Stauteich dient heute vielfältigen Freizeitnutzungen und gehört zum weit verzweigten Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“. Auf dem letzten Drittel der Etappe entdeckten wir noch weitere Relikte der Bergbautradition, bevor wir den Abend in der Berggaststätte Hausberg ausklingen ließen. Diese ist bis 19.00 Uhr in der Sommersaison bzw. bis 18.00 Uhr in der Wintersaison bequem mit dem Sessellift vom Bad Lauterberger Stadtzentrum oder mit einem hauseigenen Shuttle zu erreichen und bietet herzhafte, auch regionale Spezialitäten.

Für uns hat der Harzer BaudenSteig sein Motto eingelöst. Nicht nur die Naturerlebnisse entlang der Route, sondern auch die Verbindung mit ansprechenden Einkehrmöglichkeiten und den dort servierten Spezialitäten ließen uns eine abwechslungsreiche, sonnige Herbstwanderung genießen.

Weitere Informationen zum Harzer BaudenSteig finden Sie hier.

Dr. Alexander Schuler

Das Allgäu ist mit über zehn Millionen Übernachtungen im Jahr eine der größten zusammenhängenden Tourismusregionen Deutschlands. Als klassisches Aktivreiseziel erstreckt es sich vom hügeligen Voralpenland bis hinauf in die Allgäuer Alpen.

Im Rahmen des Bundeswettbewerbs Nachhaltige Tourismusregionen 2012/13 konnte die Region durch eine innovative Markenstrategie überzeugen. Kern dieser Markenstrategie ist die Nachhaltigkeit. Die Vergabe des offiziellen Markenzeichens – der Wort-Bildmarke Allgäu – ist an Kriterien der Nachhaltigkeit gekoppelt. Hierbei können sich neben touristischen und tourismusnahen Betrieben unter anderem auch Akteure aus Landwirtschaft und Energiewirtschaft sowie Städte und Gemeinden als Markenpartner zertifizieren lassen.

Dr. Alexander Schuler

Im Nordosten Brandenburgs gelegen, ist mit unter 50 Einwohnern pro Quadratkilometer eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Deutschlands. Die Region befindet sich in direkter Nachbarschaft zu Mecklenburg-Vorpommern und Polen und ist circa 80 Kilometer von Berlin entfernt. Das Kernangebot der Uckermark besteht im Erleben von Natur. 60% der Fläche sind als „Nationale Naturlandschaften“ geschützt. Hierzu gehören der Nationalpark Unteres Odertal – Deutschlands einziger Auen-Nationalpark, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und der Naturpark Uckermärkische Seen mit Anschluss an die Mecklenburgische Seenplatte.

Mit dem Leuchtturm-Projekt „Eselwandern in der Uckermark“ setzt die Region bewusst auf erlebbare Entschleunigung und Naturnähe. Dieses Konzept sowie enge Kooperationen zwischen Tourismus und Naturschutz, Mobilitätsangebote wie das UckermarkShuttle oder der Biberbus und vieles mehr ließen die Uckermark als Siegerregion aus dem Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusregionen 2012/13 hervorgehen.